Lampenfieber verstehen und für dich nutzen

Lampenfieber verstehen und für dich nutzen

Lampenfieber kennen fast alle Menschen, die auf einer Bühne stehen. Der Puls wird schneller, die Hände werden feucht, der Mund trocken – und manchmal fühlt sich ausgerechnet die Stimme, auf die man sich sonst verlassen kann, plötzlich fremd an.

Dabei ist Lampenfieber zunächst nichts anderes als eine ganz natürliche Reaktion unseres Körpers auf eine besondere Situation. Wir werden gesehen, gehört und bewertet. Für unser Nervensystem kann das bedeuten: Achtung, jetzt wird es wichtig.

Lampenfieber ist nicht dein Gegner

Viele Sängerinnen und Sänger versuchen, ihre Nervosität möglichst schnell loszuwerden. Doch genau dieser Kampf kann zusätzlichen Druck erzeugen.

Ein gewisses Maß an Anspannung ist sogar hilfreich. Es macht uns wach, konzentriert und präsent. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

Wie werde ich mein Lampenfieber los?

Sondern:

Wie kann ich mit dieser Energie so umgehen, dass meine Stimme trotzdem frei bleibt?

Was unter Stress mit der Stimme passiert

Wenn wir aufgeregt sind, verändert sich häufig der ganze Körper. Die Atmung wird flacher oder schneller. Schultern, Nacken oder Kiefer spannen sich an. Manche Menschen halten unbewusst den Atem fest.

Und weil unsere Stimme eng mit Atmung und Körper verbunden ist, hören und spüren wir diese Veränderungen beim Singen sofort.

Hohe Töne fühlen sich plötzlich schwieriger an. Die Stimme klingt enger. Der Atem reicht scheinbar nicht mehr. Oder wir versuchen, durch noch mehr Kontrolle gegenzusteuern.

Gerade dann hilft oft nicht mehr Kontrolle, sondern wieder mehr Verbindung zum eigenen Körper.

Drei Dinge, die vor einem Auftritt helfen können

1. Spüre den Boden.
Nimm für einen Moment bewusst wahr, wie deine Füße den Boden berühren. Verlagere dein Gewicht leicht und finde einen stabilen, aber beweglichen Stand.

2. Lass die Ausatmung fließen.
Versuche nicht, besonders tief einzuatmen. Lass zunächst ruhig ausströmen, was ohnehin da ist. Die nächste Einatmung darf von selbst kommen.

3. Gib deiner Stimme einen vertrauten Klang.
Ein leises Summen, ein Lippenflattern oder ein einfacher Ton in angenehmer Lage kann helfen, den Kontakt zur Stimme wiederzufinden. Es geht dabei nicht um Leistung, sondern um Vertrautheit.

Du musst nicht vollkommen ruhig sein

Ein guter Auftritt bedeutet nicht, dass du vorher keine Aufregung mehr spürst.

Du darfst Herzklopfen haben. Du darfst aufgeregt sein. Und du kannst trotzdem gut singen.

Mit der Zeit kann sogar etwas Entscheidendes passieren: Du lernst die körperlichen Signale nicht mehr automatisch als Gefahr zu deuten. Aus Nervosität kann Wachheit, Energie und Präsenz werden.

Denn auf der Bühne geht es letztlich nicht darum, vollkommen kontrolliert zu sein.

Es geht darum, mit deiner Stimme, deiner Musik und deinem Publikum in Verbindung zu kommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen